
Mir ist gerade aufgefallen, dass ich in diesem Jahr gerade mal acht Blogeinträge geschrieben habe. Acht. Das macht einen pro Monat, irgendwie ein bisschen wenig, wie ich finde…
Irgendwie hat sich mein Verhältnis gegenüber dem Bloggen verändert. Als ich mit dem Ganzen anfing, schrieb ich mindestens einen Eintrag pro Woche, in dem ich einfach mal erzählte, was die Woche über so passiert war. Das war noch auf OneManShow. Inzwischen mache ich das nicht mehr, nicht, dass ich nichts mehr zu erzählen hätte – meine Auffassung, was ein guter Blogeintrag ist und was man alles ins Internet stellt, hat sich in den letzten Monaten drastisch geändert. Irgendwie sehe ich keinen Sinn mehr darin, meine privaten, persönlichen Probleme der ganzen Welt offen zu legen (zumindest bestünde im Internet die Möglichkeit dazu), ich bin der Auffassung, dass jeder schon genug mit sich selbst zu tun hat, dass er nicht auch noch in seiner Freizeit mit meinen Angelegenheiten lesen, geschweige denn kommentieren möchte. Ich selbst könnte stundenlang mein Zimmer damit vollkotzen, wenn ich auch nur einen dieser oberflächlichen, absolut Speicherplatz und Zeit verschwendenden Blogeinträge lesen zu müssen, die entweder nur dazu dienen, damit angeben zu können, wie kompliziert das eigene Leben doch ist oder den alleinigen Zweck innehaben zu scheinen, der “Verpflichtung”, bloggen zu müssen, Folge zu leisten und dann in einem schier endlosen Schwall an Überflüssigkeiten einen Monolog von sich zu stossen, der nicht nur all seine Leserschaft zu vergraulen scheint, sondern auch ein Exempel an der eigenen Ideen- und Lustlosigkeit statuiert, nicht merkend, dass sich absolut niemand für diese elende Selbstangeilung interessiert, wie sie immer öfters vorkommt. Das Einzige, was mich davon abhält, ist mein Teppichboden, den ich nicht mit meiner Kotze auf alle Ewigkeit besudeln möchte. Aber für so etwas gibt es ja schliesslich Metaphern.
Und da ich einen immer grösseren Groll und Abscheu gegen eben diese Art von Bloggern hege, möchte ich mich mit allen Mitteln dagegen abgrenzen, dies äussert sich, wie zu Beginn angesprochen, darin, dass ich lieber gar nichts schreibe und mich erst dann äussere, wenn ich etwas nach meinen Ansprüchen als “interessant” oder “unbedingt Mitteilenswert” erachte. Da brauche ich mich wirklich nicht zu wundern, wenn wieder Monate vergehen, bis ich etwas zu schreiben weiss.
Heute habe ich in einem Anflug von Stalking bei all denjenigen, die einen Blog führen und die ich persönlich kenne, auf ihren Beiträgen herumgeritten – und war wieder einmal positiv erstaunt, wie offen die alle mit ihrem Privatleben umgehen und wie bereitwillig sie alles ins Internet stellen. So erfuhr ich beispielsweise, dass der eine Vater auf zwanzigjährige Toyboys steht, eine Klassenkameradin sexuelle Phantasien während einer Zugfahrt mit drei aus ihrer Klasse hatte (ernsthaft, warum stellt man so etwas online? OO), die eine sich in ihren Ferien unendlich in jemanden verliebt hat, den sie erst nächstes Jahr um die gleiche Zeit wiedersehen wird, dass sich auch angeblich seelenlose Nerds Gedanken über Freundschaft machen und so weiter.
Dann kam ich auf die glorreiche Idee, doch wieder all meine Blogeinträge durchzulesen und habe dabei erschrocken festgestellt, dass meine Texte im direkten Vergleich um einiges gefühlskälter herüber kamen.
Es war noch nie so, dass ich eine wahnsinnig überschwängliche Person gewesen wäre, die allen mit ihren Gefühlen überschütten und zutexten müsste, wie mir immer wieder durch die dadurch entstehenden Probleme bewusst wird, doch irgendwie habe ich mich dabei selbst erschreckt. Ich habe in den letzten Monaten kaum mehr als ein- oder zweimal wirklich das geschrieben, was mich eigentlich tief bewegte.
Vielleicht habe ich einfach Angst, mich gegenüber andern zu öffnen, besonders dann noch über einen Webblog, vielleicht auch gerade, weil ich nicht so richtig weiss, was mich denn jetzt eigentlich wirklich bewegt oder vielleicht auch nur, weil ich euch nicht mit sinnlosen Beiträgen langweilen möchte, wie ich sie oben angesprochen habe.
Fakt jedoch ist, dass ich eigentlich gerade deswegen mit Bloggen angefangen habe, damit ich das erzählen kann, womit ich eigentlich die Wenigsten belästigen möchte und vielleicht fehlt mir auch gerade deswegen momentan die Lust an dieser Seite, weil ich eben nicht mehr wirklich den “universellen” Sinn darin sehe, andere Leute über Internet damit zu belästigen… und doch, irgendetwas stimmt für mich nicht mehr ganz, was dieses ganze Unterfangen angeht.
Wenn das bedeutet sollte, dass ich mir einen neuen Teppich zulegen muss, dann ist es halt so. Ein bisschen Abwechslung bringt schliesslich auch Freude ins Leben
Ich weiss, ich hab schon länger nicht mehr von mir hören lassen, irgendwie befinde ich mich in einer Null-Bock-Phase, aber das wird bestimmt wieder besser ;D hoffentlich…
Jedenfalls wollte ich euch nur kurz mal meinen aktuellen Super-Dooper-Hörwurm vorstellen, bevor ich wieder abdüse, viel Spass dabei!
Zu einem meiner unangefochtenen Talenten gehört unter anderem, im passendsten Moment das Unpassendste von mir zu lassen. Fast schon als schrie es in mir: “Achtung, Fettnäpfchen, Anlauf uuuuund ARSCHBOMBE!”
Hier eine Kostprobe:
Auf die Frage “Warum sind die schon so lange weg?” mit “Vielleicht sind sie vergewaltigt worden…” in Anwesenheit derjenigen zu antworten, deren Bruder mit dem Vorwurf aus dem Internat geschmissen wurde, seine Freundin vergewaltigt zu haben.
Einer Depressiven als Witz die Frage stellen, ob für sie Selbstmord schonmal als passable Lösung empfunden hätte und dann überraschend eine bejahende Antwort zu bekommen.
In Anwesenheit von Fettleibigen Witze über Übergewicht machen.
Sich tagelang mit einem Freund über die langsame, quirlige Artikulation einer Mitschülerin lustig machen und dann eine Woche später erfahren, dass er nun mit dieser zusammen ist.
Warum konnte er mir nicht einfach sagen, dass er auf sie steht?? Dann hätt ich mir wahrscheinlich meine Sprüche gespart. (Naja, wohl eher nicht…)
Verwundert sein, wenn es eine Freundin nicht als Kompliment wahrnimmt, wenn ich – Zitat – “manchmal das Gefühl habe, sie schliefe ein, sobald sie den nächsten Satz beendet habe.”
In einer geladenen Gesellschaft von 50 Leuten schreien:” *** hat ein unerfülltes Sexualleben”, nur weil diese Person (welche für mich zu allem Unglück auch noch beinahe unbekannt war) gerade die Etikette von einer Plastikflasche gekratzt hat.
(Was ja ein allgemein anerkanntes Zeichen dafür zu sein scheint… peinlicher und blossstellender war nur noch der Kommentar eines weiteren Anwesenden: “Aha, das wissen jetzt die Neuen also auch schon…”)
Mit einer Freundin über den Weihnachtsmarkt laufen und sich bei einem Stand für Ringe über einen mit einer buddhistischen Gottheit erkundigen, die angeblich Ratten zertrampe und Schutzpatron der Armen sei, nur um danach zu bemerken: “Also das perfekte Geschenk für dich”, wobei mir erst im Nachhinein bewusst wurde, dass diese Person erst vor zwei Tagen eine Auffnahme in den Schulfond beantragt hatte, weil sie sich nicht mehr neue Schulbücher leisten konnte.
Naja, ich hoffe mal, das reicht um einen kleinen Einblick in meine tiefschwarze Seele zu bekommen, vll füge ich im Laufe das Tages noch etwas hinzu, wenn ich mich gerade nach Selbsterniedrigung fühle.