Der Fettnaepfchenkoenig

Zu einem meiner unangefochtenen Talenten gehört unter anderem, im passendsten Moment das Unpassendste von mir zu lassen. Fast schon als schrie es in mir: “Achtung, Fettnäpfchen, Anlauf uuuuund ARSCHBOMBE!”
Hier eine Kostprobe:

Auf die Frage “Warum sind die schon so lange weg?” mit “Vielleicht sind sie vergewaltigt worden…” in Anwesenheit derjenigen zu antworten, deren Bruder mit dem Vorwurf aus dem Internat geschmissen wurde, seine Freundin vergewaltigt zu haben.

Einer Depressiven als Witz die Frage stellen, ob für sie Selbstmord schonmal als passable Lösung empfunden hätte und dann überraschend eine bejahende Antwort zu bekommen.

In Anwesenheit von Fettleibigen Witze über Übergewicht machen.

Sich tagelang mit einem Freund über die langsame, quirlige Artikulation einer Mitschülerin lustig machen und dann eine Woche später erfahren, dass er nun mit dieser zusammen ist.
Warum konnte er mir nicht einfach sagen, dass er auf sie steht?? Dann hätt ich mir wahrscheinlich meine Sprüche gespart. (Naja, wohl eher nicht…)

Verwundert sein, wenn es eine Freundin nicht als Kompliment wahrnimmt, wenn ich – Zitat – “manchmal das Gefühl habe, sie schliefe ein, sobald sie den nächsten Satz beendet habe.”

In einer geladenen Gesellschaft von 50 Leuten schreien:” *** hat ein unerfülltes Sexualleben”, nur weil diese Person (welche für mich zu allem Unglück auch noch beinahe unbekannt war) gerade die Etikette von einer Plastikflasche gekratzt hat.
(Was ja ein allgemein anerkanntes Zeichen dafür zu sein scheint… peinlicher und blossstellender war nur noch der Kommentar eines weiteren Anwesenden: “Aha, das wissen jetzt die Neuen also auch schon…”)

Mit einer Freundin über den Weihnachtsmarkt laufen und sich bei einem Stand für Ringe über einen mit einer buddhistischen Gottheit erkundigen, die angeblich Ratten zertrampe und Schutzpatron der Armen sei, nur um danach zu bemerken: “Also das perfekte Geschenk für dich”, wobei mir erst im Nachhinein bewusst wurde, dass diese Person erst vor zwei Tagen eine Auffnahme in den Schulfond beantragt hatte, weil sie sich nicht mehr neue Schulbücher leisten konnte.

Naja, ich hoffe mal, das reicht um einen kleinen Einblick in meine tiefschwarze Seele zu bekommen, vll füge ich im Laufe das Tages noch etwas hinzu, wenn ich mich gerade nach Selbsterniedrigung fühle.

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09.07.2011

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Phil

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Dae Hans im Schnaeggeloch

Dä Hans im Schnäggeloch het alles, was er will,
und was er will, das het er nid und was er het, das will er nid,
dä Hans im Schnäggeloch het alles, was er will.

Kennt ihr das, dass ihr erst dann bemerkt, wie wichtig ihr jemandem seid, wenn es vorbei ist?
Genauso geht es mir momentan.
Dem aufmerksamen Leser mag es wahrscheinlich aufgefallen sein, dass ich mich in diesem Jahr erstaunlich oft über meinen Schul- und damit verbundenen Klassenwechsel ausgelassen habe. And guess what… ich habs schon wieder getan.
Ab nächstem Jahr werde ich nun eine Immersionsklasse mit internationalem Doppelabschluss der Schweizer Matur auf Englisch und dem IB Diploma Programme Diploma besuchen.
Eigentlich ein Grund, sich zu freuen. Eigentlich.
Wäre da nicht das erneute Abschiednehmen von meiner Klasse. Wer mich kennt, weiss, dass mir das nie besonders gut gelingt. Und als ob das nicht schon genug wäre, macht es mir meine Klasse nur noch schwerer.
Kaum zu ertragen waren die überrascht enttäuschten bis hin zu geschockten Gesichtern meiner Klassenkameraden. Kaum zu ertragen die danach folgenden Tiraden darüber, wie plötzlich das doch käme und wie ich sie nur so im Stich lassen könne.
Darauf war ich nicht vorbereitet. Ganz und gar nicht. Ich hätte nie angenommen, dass ich meiner Klasse so wichtig gewesen wäre, dass man über sowas so enttäuscht sein könnte, dass man am nächsten Tag nicht mehr mit mir reden würde.
Wie auch? Ich meine, ich verstand mich zwar immer mit allen super, aber privat hab ich mich dann doch nur mit den Allerwenigsten getroffen. Mir wurde nie suggeriert, dass ich irgendeine Person wäre, die man gross vermissen oder nicht im nächsten Moment ersetzen könnte.
Umso schmeichelnder diese Reaktionen also, und umso verwirrender.
Es ist nicht so, dass die Klasse, in der ich nächstes Jahr bin, nicht toll wäre. Immerhin kenne ich schon so ziemlich alle und bei keinem konnte ich sagen, ich würde nicht mit ihm auskommen (im Gegensatz zu meiner alten Klasse), ausserdem habe ich mir während des ganzen Jahres gewünscht, in diese Klasse zu wechseln. Und nun, jetzt wo ichs kann, möchte ich irgendwie gar nicht mehr wirklich.
Es scheint fast so, als wäre ich wie “dä Hans im Schnäggeloch” in einem der wenigen Kinderliedern, die ich in meiner Kindheit kennengelernt habe. Kaum habe ich etwas, möchte ich es nicht mehr. Doch trotzdem sträube ich mich dagegen, wieder in meine alte Klasse zurück zu kehren, ich weiss, dass das, was ich nächstes Jahr mache, das richtige für mich und meine Zukunft ist, sonst hätte mich das nicht ein Jahr lang beschäftigt.
Und trotzdem; die Zweifel bleiben. Und mit ihnen die Sehnsucht nach meiner “alten” Klasse.

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02.07.2011

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Phil

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Der Rosinenpfluecker

Mich juckt es, ehrlich gesagt, in den Fingern, den folgenden Post auf Englisch zu schreiben, doch da ich denke, dass es dann noch weniger lesen werden und ich mich während des Schreibens wieder an winzigen Kleinigkeiten aufhängen würde, sodass man Schreibfluss völlig gestört würde, belasse ich es mal beim guten, alten Deutsch.
Vielleicht werde ich ja irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt einmal (oder auch zweimal ;D) etwas auf Englisch schreiben…

Biochemikalisch gesehen, bestehen wir aus abermilliarden Atomen. Und wie Atome bahnen wir uns unseren Weg durchs Leben, stossen auf andere Atome, stossen uns ab – oder, wenn wir uns zu einander hingezogen fühlen, verbinden uns und werden Moleküle.
Soweit die Theorie.
Dass es in der Praxis allerdings nicht ganz so einfach wie soeben beschrieben vorsich geht, scheint wohl unvermeindlich. So treffen wir immer wieder auf Leute, die wir nicht mögen, auf Menschen, mit denen wir kaum auskommen, auf solche, mit die zwar ganz nett sein mögen, aber für uns nichts bieten, auf jene, die uns sofort sympathisch erscheinen, auf welche, die sich nicht um uns scheren, auf diejenigen, die wir sofort in unser Herz schliessen, auf Personen, die ganz angenehm sind, auf einige, die einfach nicht unsere Wellenlänge sind und dann gibt es die Leute, die wir zwar unheimlich mögen, die uns allerdings nicht genauso fest zurückzumögen scheinen.
Das alles ist mir in den letzten Wochen klar geworden, als ich in einer Kindertagesstätte ein Praktikum verbracht hatte. Ich möchte an dieser Stelle nicht allzu viel darüber erzählen, das werde ich eventuell in einem anderen Eintrag tun, doch es sei soviel gesagt, dass ich dort vor allem mit erwachsenen Menschen derjenigen Art zusammenarbeitete, mit denen ich wohl einfach nicht auf der gleichen Wellenlänge zu schwimmen schien. Mochte es an mir oder an ihnen gelegen haben. Klar, es waren alle unheimlich tolle Leute, jeder auf seine Art speziell und interessant, doch es waren einfach nicht “meine” Menschen.
Denn, so wurde mir bewusst, aus dem Pool von Menschen, den ich vorhin so elendig lange aufgezählt hatte, picken wir uns irgendwann diejenigen Rosinen heraus, mit denen wir uns gerne schmücken möchten.
Und diesen auserwählten Kreis aus handverlesenen Individuen nennen wir dann stolz Freunde und freuen uns darüber, so ein glückliches Händchen gehabt zu haben.
Nunja, es sei denn, man ist so wie ich.
Ich muss zugeben, ich war nie ein besonders guter Rosinenpflücker. Ja, es scheint mir, als habe ich wohl öfters danebengegriffen und eher die Früchtchen für mich erwählt, von denen ich zwar unheimlich fasziniert war, diejenigen wohl allerdings nicht sonderlich von mir. Es sei denn, es ist niemand sonst umher, aber das wäre wieder ein anderes Thema.
Irgendwann muss man wohl einfach anfangen zu akzeptieren, dass es solche Rosinen gibt, die wohl durch ihren Charakter, was immer das sein oder was man darunter verstehen mag, süsser zu sein scheinen, als es andere tun und dadurch wohl von besonders vielen Rosinenpflücker angezogen werden. Das führt dazu, dass sich diese eine, besondere Rosine selbst aussuchen kann und will, welchen Pflücker sie nun in ihren Freundeskreis aufnehmen möchte und wen nicht.
Und wenn man erfährt oder unterschwellig bemerkt, dass man selbst wohl nicht in dieses eine Rosinenglas aufgenommen wird, dann schmerzt das. So banal es auch klingt.
Natürlich hadert man mit sich, fragt sich, woran es lag, was man falsch gemacht hatte und wieso man selbst eine so langweilige Person zu sein scheint, zumal solch ein Ergebnis Beweis genug sei.
Ganz unbewisst fängt man an, sich nach diesen Personen zu sehnen, sich zu wünschen, dass es irgendwann anders werden könnte – und ehe man sich versieht, entfremdet man sich von seinem eigenen handverlesenen Rosinenstock.
Atome gehen nicht nur Verbindungen ein, nein, sie trennen sich auch ab und an. Und ich bin mir sicher, auch das schmerzt.
Es bleibt zu hoffen, dass man sich dabei nicht selbst entzweit, denn das; das kann ganz schnell mal in einem Supergau enden.

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22.04.2011

Author:

Phil

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